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Portrait von Sophia Biller, Managerin für Marketing und Kommunikation bei Kumandra Energy

10. Dezember 2025

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13:30

BESS-Qualitätsmanagement

Voraussetzung für nachhaltigen Batteriespeicherbetrieb

Batteriespeicher gelten heute als tragende Säule der Energiewende. Doch während Projekte größer und komplexer werden, bleibt ein kritischer Bereich häufig erstaunlich unterbelichtet: die Qualitätssicherung rund um Installation, Inbetriebnahme und  Betrieb. Unklare Anforderungen, fehlende Standardisierung und nicht verifizierte Herstellerangaben gefährden an vielen Stellen Leistung, Sicherheit und Haftbarkeit – und damit die Wirtschaftlichkeit ganzer Projekte. Unsere Praxiserfahrungen zeigen: Ein Batteriegroßspeicher ist nur so gut wie sein Qualitätsmanagement. 

 

Gewählte Komponenten sind nicht gleich garantierte Performance

Bereits in der frühen Projektierungsphase wird viel Wert auf die Auswahl der richtigen Komponenten gelegt. Betreiber und Investoren stellen zu Recht Fragen wie: 

  • Welcher Hersteller hat einen soliden Track Record und Reputation – und belastbare Referenzen? 

  • Wie realistisch sind die versprochenen Wirkungsgrade (Round Trip Efficiency, RTE)? 

  • Wie entwickelt sich der State of Health (SOH) über die Jahre? 

  • Ist die Batteriekapazität lt. Typenschild für den Vermarkter tatsächlich verfügbar (Performance Testing)? 

  • Ist die Degradation realistisch – oder lediglich Verkaufsargument? 

  • Welche Normen erfüllt das System für Netzanschluss und Betrieb? 

  • Wie gut sind Lärmschutz, Brandschutz und Umweltschutz umgesetzt? 

Doch die Praxis zeigt: Viele dieser Angaben sind am Ende „Sticker-Werte“ – ähnlich den Verbrauchsangaben bei neuen Automodellen. Theoretisch sauber, praktisch aber nur bedingt belastbar. Was zählt, ist nicht nur, was im Datenblatt steht – sondern was das System nach der Inbetriebnahme real leistet. 

 

Qualität wird nicht bestellt – sie wird geprüft

Der entscheidende Schritt zur Verlässlichkeit endet nicht mit der Herstellerwahl – ausschlaggebend ist die unabhängige Qualitätsüberprüfung während und nach der Installation. Ein systematisches Qualitätsmanagement und Performance Testing – technisch, dokumentarisch und organisatorisch – ist der einzige Weg, um sicherzustellen, dass ein errichteter Speicher den Planungsannahmen tatsächlich entspricht. 

Wesentliche Inhalte eines professionellen BESS-Qualitätschecks sind: 

  • Mechanische Prüfung: Wurde die Aufstellung fachgerecht ausgeführt? Sind Container, Fundamente, Kühlung und Infrastruktur korrekt installiert? 

  • Elektrische Prüfung: Entsprechen alle Anschlüsse, Erdungen, Schutzgeräte und Leitungswege den Vorgaben – und wurden sie qualifiziert getestet? 

  • Vollständige Dokumentation: Zertifikate, Prüfprotokolle, Abnahmeunterlagen, Performance- und Garantiebedingungen, Schutzkonzepte – alles muss vollständig, konsistent und prüfbar vorliegen. 

  • Kommunikation & IT: Funktioniert die Datenkommunikation zwischen BMS, EMS, PCS und Vermarkter zuverlässig? 

  • Einhaltung der Normen: Werden relevante technische Anschlussregeln, Sicherheitsstandards und Prüfanforderungen eingehalten? 

  • Sicherheitsfunktionen: Arbeiten Alarmierungen, Abschaltmechanismen und Brandschutzsysteme wie spezifiziert? 

  • Prüfprofil & Leistungsvalidierung: Abfahren eines definierten Testprofils zur Überprüfung von Lade-/Entladeleistung, Effizienz, Temperaturverhalten und dynamischem Verhalten. 

  • Thermisches Verhalten: Wie reagiert das System unter Last? Sind Hotspots oder kritische Betriebszustände erkennbar? 

Diese Prüfungen liefern nicht nur Gewissheit, sondern schützen Betreiber auch vor späteren Streitigkeiten mit Herstellern, Versicherern oder Vermarktern. 

 

Warum ein unabhängiger BESS-Gutachter oft unverzichtbar ist

Die technische Komplexität moderner Speicher ist hoch – und die Herstellerlandschaft heterogen. Ein unabhängiger BESS-Gutachter bringt drei Vorteile: 

  1. Neutralität gegenüber den Herstellerangaben,

  2. Erfahrung aus vielen Projekten,

  3. Dokumentationssicherheit im Sinne von Nachweisbarkeit und Haftungsklarheit. 

Für viele Investoren ist ein solcher Qualitätsnachweis mittlerweile Voraussetzung für Finanzierungsentscheidungen. 

 

Und dann? Ohne optimales EMS bleibt Performance liegen

Ein weiterer zentraler Faktor im Lebenslauf eines Batteriespeichers ist das Energy Management System (EMS) – und dessen Interaktion mit dem Vermarkter. Viele spätere Defizite in Performance oder Wirtschaftlichkeit entstehen nicht im Speicher selbst, sondern in der Ansteuerung. Darauf gehen wir ausführlich in einer der kommenden Ausgaben ein. 

 

Fazit

Standardisiertes BESS-Qualitätsmanagement ist kein Zusatzaufwand – sondern der Schlüssel zu Sicherheit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Wer Speicherprojekte professionell begleitet, weiß: Die Qualität entscheidet sich nicht auf dem Datenblatt, sondern in der Realität der Inbetriebnahme. Und nur wer diese Realität sauber prüft, schafft die Grundlage für einen verlässlichen, nachhaltigen und auch kommerziell erfolgreichen Speicherbetrieb über viele Jahre hinweg. 

 

Hinweis: Dieser Artikel gibt unsere Praxiserfahrungen wieder und ersetzt keine rechtliche Beratung.

Autor

Sophia Biller

Managerin für Marketing und Kommunikation

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