top of page
Portrait von Sophia Biller, Managerin für Marketing und Kommunikation bei Kumandra Energy

March 10, 2026

|

09:15

Normen, Prüfzeitpunkt und Performance-Tests

worauf es bei der Batteriespeicher Abnahme wirklich ankommt

In einem der letzten Newsletter haben wir dargestellt, warum ein standardisiertes BESS-Qualitätsmanagement eine zentrale Voraussetzung für den nachhaltigen und wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb eines Batteriespeichers ist. Technische, dokumentarische und organisatorische Prüfungen bilden dabei das Fundament.

In dieser Fortsetzung gehen wir einen Schritt weiter:Welche Normen sind bei der Abnahme besonders relevant? Welche praktischen Herausforderungen treten bei der technischen Prüfung auf? Und warum sind strukturierte Performance-Tests entscheidend für eine belastbare Bewertung?

 

1. Normen als Grundlage der Vergleichbarkeit und Rechtssicherheit

Eine BESS-Abnahme darf nicht nur auf Herstellerangaben beruhen. Sie muss sich auf normativ definierte Prüfparameter und Verfahren stützen. Ein kleiner Auszug:


DIN EN IEC 62933-2-1 – Einheitliche Parameter und Prüfverfahren

Die Norm DIN EN IEC 62933-2-1 „Elektrische Energiespeichersysteme – Teil 2-1: Einheitliche Parameter und Prüfverfahren“ definiert:

  • einheitliche Leistungsparameter (z. B. Kapazität, Leistung, Wirkungsgrad, Lebensdauer),

  • Spannungs- und Frequenzbereiche,

  • standardisierte Begriffe,

  • Prüfverfahren zur Bewertung von elektrischen Energiespeichersystemen.

Ihr zentraler Mehrwert:Speichersysteme werden technologieunabhängig vergleichbar und objektiv prüfbar. Ohne eine normativ verankerte Grundlage bleibt jede Leistungsbewertung interpretationsanfällig.

 

Cybersecurity: Das unterschätzte Prüfsegment

Ein Bereich, der in der Praxis noch immer zu wenig Beachtung findet, ist die Cybersecurity. Mit zunehmender Systemvernetzung, Fernzugriffen und Marktintegration steigt hier die Relevanz erheblich.


IEC 62443 – Industrielle Cybersecurity

Die Normenreihe IEC 62443 definiert Anforderungen an industrielle Automatisierungs- und Steuerungssysteme. Sie umfasst:

  • technische Sicherheitsanforderungen,

  • organisatorische Maßnahmen,

  • Prozessanforderungen für Planung, Betrieb und Wartung.

Für BESS bedeutet das:Nicht nur Hardware und Leistung müssen geprüft werden, sondern auch Systemarchitektur, Zugriffskonzepte und Sicherheitsmechanismen.


EN 18031 – Neue Prüfanforderungen

Ab dem 01.08.2025 wird die Normenreihe EN 18031 für betroffene Geräte verbindlich. Sie soll Herstellern standardisierte Prüfverfahren an die Hand geben, um die Konformität mit neuen Cybersicherheitsanforderungen nachzuweisen. Betroffene Geräte sind hierbei u.a. „Funkanlagen“, die mit dem Internet oder Netzwerken verbunden sind und sicherstellen müssen, dass sie keine Netzwerkschäden oder Dienststörungen verursachen. Ob ein Batteriespeicher unter diese Kategorie fällt, hängt von der spezifischen Umsetzung ab.

Für Betreiber bedeutet das:Cybersecurity ist kein optionales Zusatzthema mehr, sondern Teil der regulatorischen Konformität.

 

2. Herausforderungen bei der technischen Abnahmeprüfung

In der Praxis entscheidet nicht nur das „Was“, sondern vor allem das „Wann“ und „Wie“.

Qualitätssicherung ist kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess – von der Zieldefinition über die Bauphase bis in den Betrieb.

Für eine formale Abnahmeprüfung am Ende der Umsetzungsphase gilt:

  • Die initiale Inbetriebnahme muss erfolgt sein.

  • Die vollständige Dokumentation (Mess-, Prüf- und Inbetriebnahmeprotokolle) muss vorliegen.

  • Wesentliche Mängel sollten bereits behoben sein.

Gleichzeitig gilt:Der Zeitpunkt darf nicht so spät gewählt werden, dass keine effektive Mängelbeseitigung mehr möglich ist.Der Errichter muss noch zur Verfügung stehen, und vertragliche Sicherungsmechanismen  sollten noch greifen.

Ein zu früher oder zu später Prüfzeitpunkt kann die Durchsetzbarkeit von Korrekturen erheblich erschweren.


Die richtigen Rahmenbedingungen

Eine technisch saubere Prüfung setzt geeignete Bedingungen voraus:

  • Zugänglichkeit und Sicherheit: Sicherer Zugang zur Anlage ist zwingend erforderlich.

  • Betriebsnahe Umgebungsbedingungen: Tests sollten möglichst unter realistischen Betriebsbedingungen stattfinden. Ein Performance-Test bei Minustemperaturen erlaubt nur eingeschränkte Aussagen über das Verhalten bei sommerlicher Volllast.

  • Ergänzende Messungen: Falls erforderlich, sollten saisonale Nachmessungen eingeplant werden.

Nur so lassen sich belastbare Aussagen zum thermischen Verhalten und zur Performance treffen.

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist der umfassende Zugriff auf Systemdaten:

  • Log- und Laufzeitdaten aller relevanten Komponenten (BESS, Inverter, Messgeräte),

  • einfache Exportierbarkeit,

  • einheitliches Datenformat,

  • möglichst hohe zeitliche Auflösung (idealerweise 1-Sekunden-Werte).

Ohne genaue Daten kann man nicht verlässlich sagen, wie effizient das System arbeitet, wie es auf Steuerungen reagiert oder was bei schnellen Veränderungen passiert.

 

3. Relevanz strukturierter Performance-Tests

Wie bereits im ersten Teil dargestellt, ist strukturiertes Qualitätsmanagement kein Formalismus, sondern Risikominimierung.

Die Praxiserfahrung zeigt:Je systematischer eine Abnahmeprüfung durchgeführt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, verdeckte Mängel zu identifizieren – seien es:

  • Abweichungen bei Leistungskennwerten,

  • thermische Auffälligkeiten,

  • unzureichend konfigurierte Schutzmechanismen,

  • oder Inkonsistenzen in der Dokumentation.

Viele dieser Punkte würden im laufenden Betrieb erst spät oder nur unter wirtschaftlichem Schaden sichtbar werden.

 

Fazit: Normen schaffen Struktur – strukturierte Prüfungen schaffen Sicherheit

Die Abnahme eines BESS ist kein formaler Projektabschluss, sondern der Übergang in eine wirtschaftlich relevante Betriebsphase. Normen wie DIN EN IEC 62933-2-1, IEC 62443 und künftig EN 18031 schaffen einen Rahmen. Entscheidend bleibt jedoch die praktische Umsetzung.

Wer den Prüfzeitpunkt strategisch wählt, geeignete Rahmenbedingungen sicherstellt und eine strukturierte Performance-Validierung durchführt, reduziert nicht nur technische Risiken – sondern auch wirtschaftliche und haftungsrechtliche Unsicherheiten.

Ein standardisiertes BESS-Qualitätsmanagement ist damit keine Option, sondern Bestandteil professioneller Projektsteuerung.

Author

Sophia Biller

Managerin Marketing and Communications

bottom of page