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Portrait von Philipp Cordes, Projektingenieur Erneuerbare Energien bei Kumandra Energy

12. Oktober 2026

|

13:00

Worauf kommt es an

Projektfinanzierung für BESS

Ein Batteriespeicher kann auf dem Papier hochprofitabel aussehen. Ob diese Rechnung auch nach mehreren Betriebsjahren noch aufgeht, hängt jedoch von deutlich mehr ab als von Investitionskosten und erwarteten Erlösen.

Gerade bei Battery Energy Storage Systems (BESS) lohnt sich deshalb der Blick hinter die Zahlen.

  • Wie hoch sind die tatsächlichen Kosten über beispielsweise 15 Jahre?

  • Welche Annahmen liegen den Erlösprognosen zugrunde?

  • Wie wurde die Degradation der Batteriezellen berücksichtigt?

  • Was passiert bei Verzögerungen der Inbetriebnahme?

  • Und welche Risiken sind über Garantien, Wartungsverträge und Versicherungen tatsächlich abgesichert?

Hinzu kommt: BESS sind eine vergleichsweise junge Branche. Langjährige Erfahrungswerte aus dem realen Betrieb sind entsprechend noch nicht in allen Bereichen vorhanden. Mit immer mehr realisierten Projekten wächst diese Erfahrungsbasis jedoch kontinuierlich und viele Faktoren werden besser vorhersehbar. Dennoch können sich manche technischen oder wirtschaftlichen Effekte erst nach mehreren Betriebsjahren vollständig zeigen.

Umso wichtiger ist es, bei der Projektfinanzierung nicht mit der attraktivsten, sondern mit einer möglichst belastbaren Gesamtrechnung zu arbeiten.


Der Kaufpreis ist nur der Anfang

Bei der Projektkalkulation fallen zunächst die Investitionsausgaben (Capital Expenditures, CAPEX) ins Auge. Mindestens ebenso genau sollten jedoch die laufenden Betriebsausgaben (Operating Expenditures, OPEX) betrachtet werden. Denn gerade über einen Zeitraum von beispielsweise 15 Jahren werden aus regelmäßig wiederkehrenden kleineren Kosten schnell relevante Positionen. Eine auf den ersten Blick günstige Lösung muss über die gesamte Laufzeit deshalb nicht zwangsläufig die wirtschaftlichste sein.

Das gilt insbesondere für Wartung, Garantien und Versicherungen. Hier zählt nicht nur der Preis. Entscheidend sind auch Laufzeiten und Bedingungen. Wie lange besteht die Absicherung? Was ist tatsächlich abgedeckt? Und passen die Vertragslaufzeiten überhaupt zur geplanten Projektlaufzeit?


Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Was kostet das BESS heute? Sondern: Was kostet es über seine gesamte geplante Laufzeit?

 

Vermarkter: Bei 100 Prozent Unterschied sollte man genauer hinschauen

Ähnlich genau sollte die Erlösseite betrachtet werden. Denn die Spannbreiten der am Markt genannten Erlöse können erheblich sein: Bei Angaben unterschiedlicher Vermarkter sehen wir teilweise Unterschiede von bis zu 100 Prozent. Diese Unterschiede entstehen, wenn die Basisannahmen sehr konservativ bzw. liberal ausgelegt werden. Für die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung reicht es deshalb nicht, die attraktivste Zahl in das Modell zu übernehmen. Stattdessen sollte nachvollziehbar sein, wie die jeweilige Prognose zustande kommt: Welche Annahmen liegen der Berechnung zugrunde und wie belastbar sind diese? Handelt es sich um eine realistische Kalkulationsgrundlage oder eher um eine Marketingangabe?

Gerade weil die Branche noch vergleichsweise jung ist und sich die Erfahrungswerte erst mit zunehmender Zahl und Betriebsdauer der Projekte belastbarer und reproduzierbar werden, ist diese Prüfung besonders wichtig. Die Grundlage für Prognosen wird kontinuierlich besser. Dennoch ist heute noch nicht alles über eine langfristige Projektlaufzeit abschließend einzuschätzen.

Unser Ansatz ist deshalb klar: Erlösannahmen hinterfragen und Vergleichsangebote einholen, statt sich von der höchsten Prognose überzeugen zu lassen.

 

Technische Auslegung: Was heute gespart wird, kann später teuer werden

Auch die technische Auslegung ist unmittelbar mit der Wirtschaftlichkeit verbunden. Komponenten sollten nicht nur danach ausgewählt werden, ob sie die Anforderungen zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme erfüllen. Entscheidend ist der geplante Betrieb über die gesamte Projektlaufzeit. Ein wesentlicher Punkt ist beispielsweise die Degradation der Batteriezellen. Sie muss bei der Auslegung des Systems berücksichtigt werden, damit während der Laufzeit möglichst keine unerwarteten Auswechselkosten entstehen.

Gerade hier zeigt sich auch die Herausforderung einer noch jungen Branche. Mit jedem weiteren Betriebsjahr wächst das Wissen darüber, wie sich Systeme tatsächlich über längere Zeiträume verhalten. Gleichzeitig können sich einige Effekte naturgemäß erst nach mehreren Jahren im realen Betrieb zeigen. Eine saubere technische Auslegung ist deshalb keine Detailfrage, sondern Teil der wirtschaftlichen Risikovorsorge.

 

Eine verspätete Inbetriebnahme kostet nicht nur Zeit

Zur Wirtschaftlichkeit gehört auch die Umsetzungsgeschwindigkeit. Jeder Monat, um den sich die Inbetriebnahme verschiebt, bedeutet einen Monat späterer Ertragsbeginn. Ein belastbarer und realistischer Terminplan des Generalunternehmers ist deshalb wirtschaftlich relevant. Ein möglichst früher Termin auf dem Papier bringt wenig, wenn er später nicht eingehalten werden kann.

Genauso wichtig ist das Ende der Projektumsetzung. Probebetrieb, technische Prüfung und Performance-Prüfung sollten klar vorgesehen sein. Die Endabnahme sollte anhand zuvor definierter Kriterien erfolgen.

Kurz gesagt: Nicht nur wann ein BESS in Betrieb geht, sondern auch in welchem technischen Zustand es übergeben wird, gehört in die Projektbetrachtung.

 

Finanzierungspartner: BESS verstehen statt nur Zahlen finanzieren

Nicht zuletzt spielt die Wahl des Finanzierungspartners eine wichtige Rolle. Gefragt ist ein solider und zuverlässiger Partner, der nicht nur die Finanzkennzahlen betrachtet, sondern auch die Besonderheiten des Projektes und der Branche versteht.

Denn technische Auslegung, Vermarktung, Garantien und Projektzeitplan beeinflussen Chancen und Risiken des Investments unmittelbar. Der Finanzierungspartner sollte diese Zusammenhänge kennen und beurteilen können.

Je besser der Partner das Geschäftsmodell und seine projektspezifischen Risiken versteht, desto belastbarer ist auch die gemeinsame Finanzierungsgrundlage.

 

Risiken lassen sich nicht ausschließen, aber gezielt reduzieren

Eine Projektlaufzeit von beispielsweise 15 Jahren lässt sich nicht in jedem Detail vorhersagen. Das gilt insbesondere in einer Branche, in der langfristige Erfahrungswerte aktuell noch entstehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Risiken einfach hingenommen werden müssen. Im Gegenteil: Gerade weil nicht jede Entwicklung vorhersehbar ist, sollten die beeinflussbaren Risiken umso konsequenter reduziert werden.

Das beginnt bei einer sauberen Planung und reicht bis zur genehmigungsrechtlichen Prüfung. Genehmigungsrechtliche Anforderungen sollten vollständig berücksichtigt sein, damit daraus im späteren Betrieb möglichst keine Einschränkungen entstehen. Auch Wartung und Garantien gehören zu dieser Absicherung. Laufzeiten und Bedingungen müssen so betrachtet werden, dass nicht nur die Inbetriebnahme, sondern auch der langfristige Betrieb im Fokus steht.

 

Fazit: Die Wirtschaftlichkeit steckt im Zusammenspiel

Ein wirtschaftlich tragfähiges BESS entsteht nicht durch die eine besonders gute Kennzahl. Es entsteht dann, wenn Investitions- und Betriebsausgaben, Erlösannahmen, technische Auslegung, Umsetzung und Finanzierung zusammenpassen.

Unsere Meinung: Gerade in einem vergleichsweise jungen Markt lohnt es sich, hinter die offensichtlichen Kennzahlen zu schauen. Ein niedriger CAPEX allein macht noch kein wirtschaftliches Projekt. Eine hohe Erlösprognose ist noch keine belastbare Erlöserwartung. Und die technische Performance zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme lässt noch nicht abschließend darauf schließen, wie sich eine Anlage über viele Betriebsjahre entwickelt. Genau an diesem Punkt wird die Branche jedoch zunehmend berechenbarer: Mit mehr realisierten Projekten und längeren Betriebszeiten wächst die tatsächliche Erfahrungsbasis. Technische und wirtschaftliche Entwicklungen können dadurch zunehmend besser eingeordnet werden. Gleichzeitig werden sich manche Effekte erst nach mehreren Jahren im realen Betrieb vollständig zeigen. Für die Finanzierung zählt deshalb am Ende nicht, welches Szenario auf dem Papier am attraktivsten aussieht, sondern welches auf belastbaren Annahmen basiert und auch im realen Betrieb Bestand haben kann.

 

 

Hinweis: Dieser Artikel gibt unsere Praxiserfahrungen wieder und ersetzt keine rechtliche Beratung.

Autor

Philipp Cordes

Projektleiter Batteriespeicher

Autor

Philipp Cordes

Projektleiter Batteriespeicher

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